Gemeinde Pfatter - Landkreis Regensburg
Bürgermeister Josef Heuschneider
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Pfatter - ein zentraler Ort im Dungau
zur Mittelpunktsfunktion eines Donaudorfes im Laufe seiner Geschichte

Ein Text von Josef Fendl in der 1988 aktualisierten Fassung des Festvortrages zur 1200 - Jahr - Feier von Pfatter im Juli 1974
Zur Erinnerung an den Ehrenbürger der Gemeinde Pfatter BGR Prälat Otto Schweiger ( 29.3.1907 - 30.12.1980 )

 

Pfatterer Schloss 1734"Als ich in der Ferne das hübsche Dorf Pfatter erblickte, wandelte mich so etwas von süßer Wehmuth an. Meine Einbildungskraft zauberte mir längst verwischte Bilder aus dem grauesten Alterthume vor, und ich hoffte in diesen "castris veteribus" der Römer für meine Schreibtäfelchen recht viele Ausbeute zu finden. Deßwegen, und weil der Tag bereits sich schon neigte . . . beschloß ich, im dasigen Posthause zu übernachten, vielleicht möchte mich hier der Zufall durch mündliche Ansprache, oder gefällige Mittheilung auf irgend eine Spur zu alterthümlichen Nachforschungen, oder wenigstens zu besserer Lokalitätskenntniß führen . . .
Doch hier war einmal schlechterdings nichts zu machen. Nirgends ein ansprechendes Gesicht, oder Sinn für dergleichen Unterhaltung! Nichts als triviale Reden und rohe Gemeinheiten erklangen. Ich sah mir bald genug, setzte mich still in ein Zimmerecke, und mußte froh seyn, bey einem entstandenen Streite unter den Anwesenden mit einem Stationskommandanten der hier liegenden Gensdarmerie der allein bey meinem Tische saß noch mit heiler Haut davon zu kommen. . . "

Um die Sache gleich richtigzustellen: Diese Sätze stammen nicht von mir! Sie finden sich in den Aufzeichnungen des Alteglofsheimer Schloßbenefiziaten Michael Roedig aus dem Jahr 1833.
So also sah dieser Heimatfreund vor 155 Jahren den Ort Pfatter, Ihr Dorf, das 1974 sein 1200jähriges Bestehen feierte. Es scheint sich demnach hier in der Zwischenzeit einiges geändert zu haben!
Aber was ist das nun für ein Dorf, dieses Pfatter?
Da ich diese Frage auf über hundertfünfzig Seiten der zum Jubiläum erschienenen Chronik für jeden nachlesbar zu beantworten versucht habe, wollte ich in diesem Festvortrag einer ganz bestimmten Erscheinung nachgehen, die dort nicht in dieser komprimierten Form behandelt werden konnte, der Tatsache nämlich, daß Pfatter im Verlauf der überschaubaren Geschichte eigentlich immer zumindest bis ins vergangene Jahrhundert eine Art Mittelpunktsfunktion ausübte. Auch ohne Kloster und ohne Burg im Mittelalter nahezu unabdingbare Voraussetzungen für eine solche Aufgabe und geographisch nicht unbedingt bevorzugt, war Pfatter die Rolle eines zentralen Ortes zugefallen, wie man das heute im Zeitalter moderner Raumplanung nennen würde.
Lassen Sie mich das nun im einzelnen aufzeigen.

Pfatter ein römisches Lager?
Da hätten wir zunächst die alteVersion, Pfatter sei einmal ein römisches Militärlager gewesen. Was ist davon zu halten? Nun, Tatsache ist, daß Pfatter genau in der Mitte zwischen dem Legionslager Castra Regina (Regensburg) und dem Auxiliarkastell Sorviodurum (Straubing) lag und es aus diesen geographischen Gründen durchaus denkbar ist, daß sich hier ein befestigter römischer Straßenposten befand. Aventin, der baierische Geschichtsschreiber aus Abensberg, nennt ihn castra vetera hyberna. Römische Reminiszenzen will man auch im sog. "Römerbrückl" an der Alten Straße nach Straubing und im Flurnamen "An der Steinwand" erkennen. Tatsächliche Funde aus der Zeit der Römer existieren aber leider nicht.
Da also der archäologische Befund gleich Null und die sprachgeschichtliche Beweisführung nicht überzeugend ist, muß man sich will man die Version einer römischen Vergangenheit Pfatters aufrechterhalten nach anderen Begründungen umsehen.
Der stichhaltigste Beweis ist m. E. die Funktion des frühmittelalterlichen Pfatter als Gerichts und Verwaltungssitz, eine Rolle, die eigentlich nur verständlich wird, wenn man wie man das ja andernorts auch tut eine kontinuierliche Überlieferung und Wahrung des rechtlichen Besitzstandes annimmt.

Früher herzoglicher Besitz
Von dieser Position aus gesehen, braucht es uns nicht zu wundern, wenn Pfatter schon in den ersten urkundlichen Überlieferungen dieser Gegend als Mittelpunkt frühen Rodungslandes erscheint, das sich weithin im Besitz des bajuwarischen Uradels vor allem der Adalunk Sippe befindet und zu den ältesten Dörfern des Donaugaues zählt. Nur Mintraching ist urkundlich noch älter.
Wenn sich ein Eintrag in den ältesten Güterverzeichnissen Niederaltaichs auf Pfatter bezieht es ist dort von einem Phetarah die Rede , hätten wir in Pfatter schon sehr früh herzoglichen und bischöflichen Besitz zu ver
zeichnen, ein Umstand, der die spätere Stellung Pfatters als herzogliche Verwaltungszentrale noch verständlicher machte. Viele Jahrhunderte lang waren in Pfatter auch das Domkapitel und mehrere Regensburger Klöster begütert. Am 16. Februar 1212 z. B. übergab Friedrich II., der Enkel Barbarossas, den Regensburger Schottenklöstern St. Jakob und Weih Sankt Peter je einen Hof zu Pfatter und Friesheim. Zeugen dieser Schenkung waren der Erzbischof von Mainz, die Bischöfe von Freising, Regensburg, Eichstätt, Passau, Trient, der König von Böhmen und viele andere Große des Reiches.
Als ein Musterbeispiel früher Rodungstätigkeit mag auch St. Johann gelten. "Alle gegenwärtigen und auch zukünftigen Gläubigen" heißt es in einer Urkunde Bischof Konrads aus dem Jahr 1171 "sollten sich die Anstrengungen vor Augen halten, mit denen ein frommer Mönch des heiligen Emmeram, namens Chuno, ein unfruchtbares Stück Land an der Pfatter gerodet und kultiviert hat und dort eine Kirche errichtete." Der Bischof überließ dem Kloster den Neugrundzehent und gab die Erlaubnis, daß die Siedler bei der neuen Kirche beerdigt werden durften.
Es gibt gute Gründe dafür, daß dieses Gebiet um St. Johann einige Jahrhunderte früher schon einmal gerodet worden war. Im Jahr 882 ist nämlich von einem Ort Boziling an der Pfatter die Rede, der in den Ungarnkriegen abgegangen zu sein scheint.

"An offenem Rechte zu Pfätter"
Eine weitere Folge des aufgezeigten geschichtlichen Hintergrundes ist die nachweisbare Funktion Pfatters als alter Gerichtssitz. Es ist zwar nicht sicher, ob die Gerichtssitzung, die Graf Gotafrid 822 "in malo publico ad Phetrach" hielt, in unserem Pfatter stattgefunden hat, aber mit um so größerer Selbstverständlichkeit wird in späteren Jahrhunderten "an offenem Rechte zu Pfätter" gesessen. Die Riekoferer Nachbarn z. B. gewährten in der er halten gebliebenen Ehhaftordnung von 1525 den Vertretern ihrer Gemeinde Spesen in Höhe von 10 Pfennigen, wenn sie "gen Pfätter" mußten.
Und warum in aller Welt hätten die wittelsbachischen Herzöge den Propst und andere Amtleute ihres Gerichtes Haidau partout nach Pfatter setzen sollen?
Das alles läßt sich wie gesagt nur dann verstehen, wenn man annimmt, daß hier alte Rechte zum Zuge gekommen sein müssen. Und von da und nicht von der Archäologie oder der Namensgeschichte her könnte wohl am ehesten eine römische Vergangenheit Pfatters angenommen werden.

Pfatterer Bäuerin 1762Schiffsanlege und Getreideumschlagplatz
Durch die breit hingestreckte Lage an der Donau war Pfatter geradezu zum Schiffsanlegeplatz prädestiniert. Eine Belebung der Donauschiffahrt war vor allem durch die Erwerbungen des Hochstifts Regensburg in der bayerischen Ostmark eingetreten. Bevorzugt wurde der Wasserweg vornehmlich beim Salztransport. "Hohenauer" (gegen den Strom fahrende Schiffe) brachten das wertvolle Gut nach Regensburg und Ulm.
Die Salzschiffe fuhren im geschlossenen Verband; das Hauptschiff war bis zu 57 m lang und konnte 20 000 bis 25 000 Zentner Salz befördern. Der Schiffszug hatte 22 bis 25 Mann Besatzung. Stromauf mußte "getreidelt" werden, d. h. auf einem sog. Treidelpfad zogen etwa 50 Pferde den ganzen Schiffszug. Am Pfatterer Donauufer bei St. Nikola, der alten Schifferkirche, wurde Rast gemacht und Gottesdienst gehalten, wenn es notwendig schien. Denn die "Fahrt" von Passau nach Regensburg dauerte eine ganze Woche. Das "Salzerbrückl" und der Flurname "An der Lände" erinnern heute noch daran! Nach alten Überlieferungen soll es in Pfatter sogar einen Salzstadel gegeben haben. Ganz ungefährlich war allerdings die Anwesenheit der "Wasserreiter" nicht. Denn die wilden Burschen gingen am Abend oft noch auf einen Fang aus. Und so war der Ruf besorgter Mütter nur zu verständlich: "Leut, sperrts d Deandla ei, d Wasserreiter kemman . . !"
Mit dem Beginn der Dampfschiffahrt brach 1836 auch auf der Donau ein neues Zeitalter an, dessen Auswirkungen wir heute mehr denn je verspüren.

Pfatter am Rand des Dungaus
Wie uns eine Votivtafel aus Sossau berichtet, haben auch die Bauern der Umgebung die Donau als Transportweg genutzt. Anno Domini 1742 hatten bei einem solchen Vorhaben Taimeringer Bauern ihr kürzester Weg zur Donau führte über Pfatter Schiffbruch erlitten und sich der Muttergottes von Sossau verlobt. Allem Anschein nach bestand hier auch eine "Getreideanschütt", "zumalen Pfetter der Hauptort des jenigen Landes war, woraus Österreich, Schwaben und Franken den Waitzen auf der Donau bezogen", wie es in der Schuegraf Chronik heißt. Denn das Pfatterer Hinterland gehörte schon zum Dungau, ein Begriff, der aus der karolingischen Bezeichnung Thunawgeui (Donaugau) entstanden war und noch eine zusätzliche Vereinfachung dadurch erfuhr, daß man später statt Dungau nur 'der Dunkel' sagte, woraus (vor allem in der Literatur) Dunkelboden wurde, ein Ausdruck, den man dann irrtümlich vom dunklen fruchtbaren Boden herzuleiten versuchte.

Poststation des Kaisers
Aber nicht nur für den Wasserweg, sondern auch für den Straßenverkehr war Pfatter Station. Die Straße nach dem Südosten wurde vor allem von den Regensburger Fernkaufleuten benutzt, die über Wien nach Osten reisten und ihre Waren bis nach Rußland aus und von dort andere Handelsgüter einführten. Schon zur Zeit Kaiser Heinrichs III. handelten Regensburger Kaufleute bis nach Ungarn. Außerdem ging der Regensburger Venedighandel nicht über den Brenner, sondern über den Radstädter Tauernpaß, Salzburg, Neufitting und Straubing. So kamen also durch Pfatter die feinen Venedigerwaren: Kleider und Spitzen, Seide und Gewürze. Bereits für das 17. Jahrhundert läßt sich die kaiserliche "Ordinari Post" Frankfurt Wien auf dieser Trasse nachweisen. Pfatter war wohl schon seit dieser Zeit Poststation. Später rühmt sie sich, die einzige in ganz Bayern zu sein, auf der man den Wagen trockenen Fußes verlassen konnte, weil er unter dem Dach einer Durchfahrt hielt!
Reisende haben in Pfatter immer gern Station gemacht. Der prominenteste Gast wäre um ein Haar Kaiser Matthias geworden, hätte ihn nicht eine im Ort grassierende Epidemie nach Niedertraubling ausweichen lassen. 80 Jahre früher hatte schon einmal der Neuburger Pfalzgraf Ottheinrich hier Station gemacht; er kam allerdings auf dem Mistwagen angereist, nachdem ihm hinter Regensburg sein Reisewagen in die Brüche gegangen war. Joseph von Eichendorff ist hier eingekehrt, und Ernst Moritz Arndt hat in Pfatter Station gemacht.
Vor dem Aufkommen der Eisenbahnen übernachteten oft in einer Nacht Dutzende von Fuhrwerken mit 60 bis 100 Pferden in Pfatter und Griesau und brachten Leben in das Dort.

Ein Zentrum bodenständigen Gewerbes
Auf diese Weise wurde Pfatter ein Zentrum bodenständigen Gewerbes und ist es in einigen Sparten bis heute geblieben. Die Schiffszüge und Postwagen brachten Seilern, Bindern, Hufschmieden und Sattlern eine Menge Arbeit; sogar ein "Chirurg" war mindestens seit 1760 in Pfatter ansässig, nicht nur wegen der inzwischen beinahe zum guten Brauchtum avancierten Kirchweihraufereien. Er hatte auch das ganze Umland zu versorgen. So berichtet z. B. der Geislinger Pfarrer Anton Greis in seinem Diarium von Messerstechereien, zu denen man den Pfatterer Chirurgen hinzuzog. "Solche scheusliche Auftritte," bemerkt der Seelenhirte noch, "entstehen aus der Saufgewohnheit und der gähen unvernünftigen Zornhitze!"
Es gibt auch noch eine andere Erklärung für das reiche Gewerbe in Pfatter, und man weiß nicht recht, wer hier was hervorgerufen und gefördert hat. Denn nirgendwo sonst im Gäuboden gab es Eigengüter in solcher Anzahl wie in Pfatter. Da sie naturgemäß nur sehr klein waren, verlangten sie geradezu nach der Ausübung einer Art Nebenberuf und führten somit nahezu zwangsläufig zu den verschiedenen Handwerksbetrieben: ". . . gibt es hier auch fast alle Gattungen Profeßionisten, von denen viele ebenfalls mit Grundeigentum versehen sind . . ." notierte 1833 Benefiziat Roedig auf seinem Schreibtäfelchen.

Pfatter ein churfürstlicher Marktflecken
Als einmal vor 200 Jahren eine Wörther Bürgerin in Haindling eine dicke Wachskerze und eine heilige Messe stiftete, schrieb der Wallfahrtspriester in das Mirakelbuch: "Wörth bei Pfatter". Pfatter war nämlich inzwischen ein so bedeutender Flecken geworden, daß ihm die Geometer und Kartographen der vergangenen Jahrhunderte sogar Marktfunktion zuerkannten. Im Geographischen Statistisch Topographischen Lexikon von Bayern wird Pfatter 1796 ein "churfürstlicher Marktfleken in Nieder Bayern" genannt und 1834 ist im "Königreich Bayern", einer Art Ortslexikon, Pfatter als "Marktflecken mit 800 Einwohnern" angeführt, "die unter anderem eine große Menge bayerischer Rüben bauen und verkaufen."
Pfatter wäre in der Mitte des vorigen Jahrhunderts beinahe auch Station der Bahnlinie Regensburg Straubing geworden. (Sie können einiges darüber in der Chronik nachlesen.) Zweifellos hätte das weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung des Ortes gehabt. 1861 war Pfatter im Bezirksamt Regensburg mit 231 Familien in 144 Wohnhäusern die einwohnerstärkste Gemeinde. Der Wohndichte nach lag sie an vierter Stelle.
Hier ist auch wie uns wieder Pfarrer Greis überliefert bereits um 1790 eine Feuerspritze stationiert, die man z. B. beim Geislinger Kirchenbrand einsetzt, "da bey der hiesigen Gemeinde (Geisling) gar nichts von derlei zum Löschen nöthigen matehalien vorhanden ist."

Die Pfatterer Märkte waren berühmt!
Die verkehrstechnisch günstige Lage und vor allem die große geschichtliche Tradition förderten die Entwicklung Pfatters zum Marktort. Dabei mag es durchaus so gewesen sein, daß sich aus den von vielem Volk besuchten Schrannen (Gerichtssitzungen) des Spätmittelalters die Schrannen (Markttage) der Neuzeit entwickelt haben. Diese Pfatterer Märkte zeichneten sich nicht nur durch regen Besuch und ein reichhaltiges Angebot der Fieranten aus, sondern oft auch durch eine recht wirksame Werbung im Sinne moderner public relation.
Im Staatsarchiv Amberg liegt ein umfangreicher Aktenfaszikel aus den Jahren 1751 1804, die Märkte in Pfatter betreffend, in dem sich neben einigen aufschlußreichen Viehhändler Patenten eine Ankündigung vom 4.Januar 1804 findet, aus der ersichtlich wird, auf welche Weise man seinerzeit versuchte, Besucher für den Pfatterer Markt zu interessieren: "Zum ersten Jahrmarkte dahier dächte man ein Rennen von jungen ledigen Bauernpurschen zu veranstalten, wodurch die Herbeiziehung vieler Leute zur vorteilhaftesten Aufnahme der in Pfatter bestimmten Jahrmärkte sicher bezwecket werden wird . . ." Für den Sieger war ein scharlachrotes Tuch zu einem Brustfleck im Wert von vier Gulden ausgesetzt; der zweite Preis war ein Hut mit einer goldenen Schnur zu drei Gulden 15 Kreuzer. Der Gesamtwert der neun Preise betrug 16 Gulden und 9 Kreuzer.
Dieser Blick über die Dorfgrenzen hinaus und von draußen herein führte zu einer gewissen Geselligkeit und Aufgeschlossenheit, um nicht zu sagen Weltoffenheit.

Pfatterer FischräuberPfatter Nährboden für Sagenhaftes
Kommunikation und hier speziell das, was man in unseren Tagen als oral history~ bezeichnet wurde in Pfatter schon immer groß geschrieben. Der Ort spielte wie eben dargelegt eine nicht unbedeutende Rolle als Poststation und Rastplatz für Fuhrwerke aller Art. Und es war schon ein buntes Völkchen, das sich damals auf den Straßen herumtrieb! Die Gegend um St. Nikola war zudem ein alter Lagerplatz für Wasserreiter und Salztreidler. Darüber hinaus muß Pfatter als eine Art Drehscheibe zwischen den bischöflich hochstiftischen und den herzoglich baierischen Besitzungen gesehen werden, oder geographisch noch umfassender: zwischen dem Vorwald und dem Dungau. Ja, nicht nur Waldler verdingten sich zur Erntezeit bei den reichen Gäubauern, sogar Böhmen kamen von jenseits des großen Waldgebirges, alles Gründe, die Pfatter zum Kristallisationspunkt der verschiedensten Sagen werden ließen. Die nahe Lage am Fluß und die tagelangen Nebel der Donauniederung mit ihren gespenstischen Auwäldern und Altwassern mögen noch ein übriges dazu getan haben.
Da gibt es alte Sagen von habgierigen Fischräubern, unehrlichen Getreidehändlern und betrügerischen Fuhrleuten, von feurigen Hunden auf dem Lausser und von Hexen, die zum Tanz ins Pfatterer Moos fahren. Unter den Wasserreitern taucht plötzlich ein Überzähliger auf; in einer stürmischen Nacht erzwingt das Pestmännlein die Überfahrt mit dem Foam; die Bäuerin von Griesau paktiert mit dem Teufel, ein Knechtlein aus Maiszant wird von der Wilden Jagd entführt und ein Dieb vom hl. Nikolaus wieder auf den Pfad der Tugend gebracht, ein Querschnitt nicht nur durch die verschiedensten Sagen Typen, sondern auch durch aie soziologische Schichtung der Pfatterer Bevölkerung vergangener Jahrhunderte.

"Leben und leben lassen!"
Von der oben zitierten Weltoffenheit und Geselligkeit ist es nicht mehr weit zu einer Lebensauffassung, die man gemeinhin mit den Worten umschreibt: "Leben und leben lassen!" Lassen Sie mich nur einen bezeichnenden Satz aus den Erinnerungen F. X. Englbergers zitieren: ". . . Und dann blies der Schreiber Hans in seinen Bombardon, daß die Wände zitterten und der Mörtel von den Wänden bröselte . . ." Sehen Sie, hier ist diese Lebenslust ins Akustische übersetzt!
Alle zwei, drei Jahre fanden Faschingszüge in Pfatter statt, der stattlichste und aufwendigste wohl 1914, ein letztes Aufleuchten der "guten, alten Zeit".
Oder wo in aller Welt findet man zum Beispiel ein vergleichbares Dorf, das gleich sechs Bräuhäuser besaß, wie es in Pfatter der Fall gewesen ist! eine Lebensauffassung, die auch manchmal des Guten zuviel tat und ihr Heil im Diesseits suchte!

Der "Prangertag des Jahrhunderts"
Ein großartiges Beispiel pfätterischer Lebensfreude lieferte die 1200 Jahr Feier vom 12. bis 15. Juli 1984, der "Prangertag des Jahrhunderts".
Da gab es eine Sagen Sammelaktion und einen Malwettbewerb für die Schuljugend, ein Turmblasen und einen Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Graber, das 12 Uhr Läuten im Bayerischen Rundfunk, einen Festakt, der dem großen Tag angemessen war, einen sehenswerten Festzug mit zahlreichen historischen Gruppen, ein Standkonzert und die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an BGR Prälat Otto Schweiger, eine Turnhalleneinweihung und eine große Bauernkundgebung mit dem Staatssekretär (und späteren Landwirtschaftsminister) Simon Nüßl, dazu ein großes Bierzelt als modernen Ersatz für die oben erwähnten sechs pfätterischen Brauereien, nicht zu vergessen Bayerns Gstanzlsänger Nr. 1, den Roider Jackl, der u. a. prophezeite:
"Bei der 1300 Jahr Feier, da kemmama wieder alle zamm, da schreibt ma na 2074, bis dahi is zwar no lang, aber i, i bi wieder dabei, außer es kaam was dazwischn, daß i an Katarrh oder d Huastn hätt, oder es hätt mi gar dawei grissn!"

Pfaderer Maschn, 1899Streben nach irdischem Gewinn
Die Gefahr der Überbetonung materieller Werte war natürlich in dieser relativ fruchtbaren Gegend immer gegeben. Schon 1706 charakterisierte der Pfatterer Propstrichter seine Bauern in einem Schreiben an die Kaiserliche Administration in Wien mit folgenden Worten: "Die Schneider können den Bauern die Hosen nicht weit genug machen, die niederen Hüte, die sie tragen, müssen mit Gold und Silberbändern geziert sein, die Mägde oder Menscher wollen sich mit keinem gewöhnlichen Mieder mehr begnügen, diese müssen von Taffet, Atlas, Brockat
oder anderen kostbaren Stoffen sein, die Brüstln oder Goller von der schönsten Kammerleinwand . . . die Absätze der Schuhe mit Zinnober hochrot angestrichen, die Brustfleck mit Silberborten verbrämt usw." In dieser Putzsucht dürfte auch der Ursprung des Dorf spitznamens "Pfaderer Maschn" zu sehen sein. Ob es sich dabei um eine besonders hübsche Masche (am Kleid? im Haar?) oder (nach dem Volkskundler Bauernfeind) um eine auffällige Handtasche des Pfatterer Weibervolks handelte, kann hier dahingestellt bleiben.
Die Burschen bildeten sich dagegen um so mehr auf ihre "Pfatterer Nationalhymne ein:
"Drei Radi, drei Roubn,
drei Pfaderer Boum,
dö sand so raß,
daß s der Teifi net fraß!"
1860 schrieb deshalb Pfarrer Bram seinem Bischof über den moralischen Zustand der Pfarrgemeinde:
"Ächtchristliche Gesinnung und Bildung, ächtchristliches Leben, Wirken und Dulden wird an einem großen Theile des Pfarrvolkes mit Schmerzen vermißt. Gieriges Streben nach irdischem Gewinn und sündhaftes Hangen an zeitlichem Besitze hat in Vieler Herzen die heiligen kindlichen Gefühle der Dankbarkeit und Liebe gegen betagte Eltern und Schwiegereltern erstickt . . . Andererseits", meint er, zeige sich "an einem großen Theile der erwachsenen Jugend und der dienenden Klasse jener Geist des Stolzes und Eigendünkels, der herrschen will, wo zu gehorchen ist, und bei nicht Wenigen eine derartige Genußsucht und Verschwendung . . .," daß aus solcher Lebenseinstellung die Notwendigkeit bestimmter Korrelative, wie etwa der Kirche und Schule erhellt.

Die größte Schule des Distrikts
Und es spricht wieder für Ihr Dorf, daß man die Bedeutung dieser Einrichtungen schon sehr früh erkannte. Kann man Pfatter auch nicht gerade als ein Zentrum der Bildung bezeichnen, so muß doch festgestellt werden, daß man hier nicht nur schon sehr früh nämlich noch vor dem Dreißigjährigen Krieg eine Schule besaß, sondern sich auch immer etwas auf gute Bildung zugutehielt.
Sehr bezeichnend für diese Einstellung ist jener Brief, den der Königl. Distriktsschulinspektor Dekan Hofbauer, Pfarrer im benachbarten Geisling, 1861, nach dem Tod des 88jährigen Pfatterer Lehrers Josef Kroiß, an die Königl. Regierung der Oberpfalz schrieb. Er bat darin um eine sorgfältige Prüfung der 26 Bewerber um die erledigte Schulstelle, denn "in Pfatter, einem Dorf von circa 150 Behausungen, deren Bewohner so häufig mit den Städten Regensburg und Straubing im regsten Verkehre stehen, herrscht gewisser Maßen auch ein städtischer Ton und es wird nicht nur am Pfarrer sondern auch am Schullehrer, Meßner und Organisten und Cantor die "Auszeichnung" in jeder Beziehung erwartet . . ." Denn immerhin "besteht in Pfatter die größte Schule des Districts rnit circa 180 190 Kindern und es wird hoch darauf gesehen, das dieselben, in 2 Abtheilungen gesondert, nicht nur die gewöhnlichen Kenntniße der Schule auf dem Lande, sondern etwas mehr noch erlangen. . ."
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch hinweisen auf F. X. Prentner, den Sohn eines Pfatterer Posthalters, der als 17jähriger Student ein wissenschaftliches Werk mitherausgegeben hat und mit einem gewissen Stolz auf das Titelblatt setzen ließ: "Pfätterensis Boius", zu deutsch "ein pfätterischer Bayer". Man brauchte sich also auch damals schon seiner Abstammung aus Pfatter nicht zu schämen!

St.Anna Selbdritt, 16. Jhrh.Kirchliches Leben
Und nun noch zur zweiten der genannten Kontrollinstanzen, zur Kirche. Die kirchliche Tradition Pfatters ist schon sehr alt. Bereits im 9. Jahrhundert bestand eine Kirche zu Fatiragimundi, die zwar später als Filiale von IIIkofen erscheint, aber 1286 im ältesten Pfarrverzeichnis der Diözese Regensburg wieder als Pfarrort eingetragen ist.
Obwohl das kirchlich religiöse Leben in Pfatter nicht immer Schritt gehalten hat mit der politischen, kommerziellen und verkehrsmäßigen Entwicklung des Ortes, gibt es doch eine Reihe beeindruckender Beispiele zu erwähnen. So hören wir am Ende des 18. Jahrhunderts von einer bereitwilligen Aufnahme französischer Emigranten Priester, die vor den grausamen Verfolgungen der Revolution geflohen waren, es wird von häufigen Wallfahrten zur Muttergottes vom Bogenberg und zum Heiligen Blut in Niederachdorf berichtet, von eifrigen Bruderschaften und am Ende des vorigen Jahrhunderts sogar von einem "katholischen Dampf", der auf die Initiative des damaligen Kooperators Achatz zurückging und als Vorläufer eines Maschinenringes gelten mag.
Zu den religiösen Übungen, die in Pfatter nie aus der Mode kamen, gehört die tätige Nächstenliebe, und gerade auf diesem Gebiet hat die Familie Ihres neuen Ehrenbürgers ein leuchtendes Beispiel gegeben, so daß Sie mit ihm auch das Andenken aller ehren, die es mit sozialen Tugenden und sozialer Gerechtigkeit ernst meinen.
In diesem Zusammenhang darf deshalb auch ein anderer Name nicht unerwähnt bleiben: der Ihres langjährigen Ortspfarrers Anton Bram, der am 10. Juni 1908 der Gemeinde Pfatter in seinem Testament 23 600 Mark für den Bau eines Mädchenschulhauses mit Schwesternwohnung bzw. für einen Kindergarten vermachte. Geistlicher Rat Bram hatte diesen enormen Betrag durch seine sprichwörtlich gewordene Sparsamkeit über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen, zum Wohle der Pfatterer Jugend. Es ehrt Ihre Gemeinde, daß sie diesem Mann zu Ehren eine Straße benannt hat. Die Frage ist nur, ob Sie ihm dadurch allein schon gerecht geworden sind.

Blechtäfelchen vom alten Opferstock in St. Nikola"Rettet St. Nikola!"
Geradezu als ein Musterbeispiel dörflichen Zusammenhaltens und als dauernde Erinnerung an das Festjahr 1974 erwies sich auch die Sanierung von St. Nikola. Als in der Festrede zur 1200 Jahr Feier der Kreisheimatpfleger der jubilierenden Gemeinde den desolaten Zustand der alten Salzschifferkirche vor Augen hielt, fiel seine Kritik auf außergewöhnlich fruchtbaren Boden. Spontan wurden 1975 im Europäischem Denkmalschutzjahr eine Reihe von Aktionen gestartet, die die Erhaltung dieses alten Kulturdenkmals zum Ziel hatten. Denn weitaus die meisten Bürger teilten nicht die Ansicht einiger weniger: "Reißts n zamm, den altn Stoahaufa!"
Im Juli schickten "die Zünftigen" Veri Schmalzt mit einem Zwergesei Kasimir aus, die vor allem sonntägliche Kirchenbesucher um eine Spende angingen, eine originelle Aktion, die immerhin DM 590, erbrachte.
Für einen großen Erntedankmarkt im September hatten die Landfrauen seit Monaten Puppen, Kasperlfiguren, Flachszöpfe und Gewürzsträuße gebastelt. Daß dann beim Markttreiben auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kam, entspricht bester pfätterischer Markttradition. Der Reinerlös dieses Erntedankmarktes: DM 6 070, .
Im Oktober stand ein Fußballspiel der Platterer Damen (Gymnastikgruppe I) gegen den Gemeinderat auf dem Programm, das mit 4:4 Toren unentschieden endete. Erlös (aus einer damit verbundenen Tombola): DM 3 650, . Diese und eine Reihe weiterer Aktionen beeindruckten auch höheren Orts: Das Landesamt für Denkmalpflege stellte für die Renovierung zunächst einmal DM 50 000, in Aussicht und das Bischöfliche Ordinariat DM 40 000, . Damit war ein solider finanzieller Grundstock für die Renovierung von St. Nikola gelegt, die noch im gleichen Jahr in Angriff genommen wurde und 1985 vollendet werden konnte.

Neue Aufgaben
Ich habe nun versucht, in siebzehn kurzen Kapiteln aufzuzeigen, in welchen Bereichen Pfatter im Lauf seiner Geschichte eine Art Mittelpunktsfunktion ausgeübt hat. Naturgemäß konnte das nur ein kurzgefaßter geschichtlicher Rückblick sein. Es wäre aber sicherlich falsch und liefe der mir gestellten Aufgabe zuwider, wenn ich es dabei bewenden ließe. Denn Geschichte trägt auch ein dynamisches Element in sich und darf nicht mit Stagnation gekoppelt sein. Und so glaube ich, ist hier der geschichtliche Ort, auch von neuen Aufgaben zu sprechen, die in einer sich wandelnden Welt verständlicherweise von anderem Zuschnitt sein müssen als vor Hunderten von Jahren.
Pfatter ist kein Gerichtssitz mehr, nicht einmal ein Schiffsanlegeplatz, und keine noch so wohlwollende Gebietsreform wird diesen Ort jemals wieder zum Verwaltungsmittelpunkt erheben. Aber Pfatter könnte so etwas wie eine Mustergemeinde werden, eine Mustergemeinde genau in der Mitte zwischen Regensburg und Straubing, an der Nahtstelle der Regierungsbezirke Oberpfalz und Niederbayern.
Mustergemeinde, das beginnt bei Blumenschmuck und Sauberkeit des Ortsbildes, Mustergemeinde meint heute selbstverständlich auch einen gewissen Wohnwert, den die Gemeinde zu bieten hat, kurz eine Verbesserung der Lebensqualität ganz allgemein, und zwar für jung und alt und die breite Schicht dazwischen; Mustergemeinde bedeutet Naherholungsmöglichkeiten und meint hier in Pfatter auch die Ausweisung von Naturschutzgebieten.
Vielleicht wissen es manche von Ihnen gar nicht, daß die Pfatterer Donauauen dieser letzte Rest einer unverdorbenen Landschaft Brutstätte, Durchzugsgebiet und Winterquartier für über zweihundert Vogelarten (vor allem aus dem Norden Europas) sind. Die Wiesen um Pfatter gelten als Bayerns bedeutendster Rastplatz für nordische Wildenten, und man kann hier auch heute noch jeden Winter an die dreitausend Schwimmvögel der verschiedensten Arten zählen.
Zur Zeit (1988) ist für die Donauaue bei Pfatter ein Gemeinschaftsprojekt der EG, des Freistaates Bayern und des Landesbundes für Vogelschutz geplant.
Ich kehre zurück zum Stichwort Mustergemeinde. Voraussetzungen dafür sind zweifellos vorhanden. In einem Punkt erfüllt Pfatter sicher jetzt schon diese Rolle: Ich meine, was das rege Vereinsleben betrifft. Pfatter beispielsweise als ein Zentrum des Motorsports vorzustellen, hieße ja beinahe so viel, wie Wasser in die Donau schütten. Aber auch die vielen anderen Vereine, angefangen bei der rührigen Landjugend bis zum Veteranenverein entwickeln immer wieder neue Aktivitäten und demonstrieren über das Medium Presse dem ganzen Landkreis Zusammenarbeit und Teamwork.
Mustergemeinde, das meint und fordert vor allem heraus Aktivitäten des Gemeinderates und des Bürgermeisters Und was ich so aus der Distanz mitbekomme, sind sie und Sie mit ihnen auf dem besten Wege. Ich brauche nur Stichworte zu nennen: Wasserversorgung, Turnhalle, Kindergarten, Versuch, wieder Schulzentrum zu werden, hier gilt es ja ohnedies noch wie schon aufgezeig wurde eine alte Rechnung zu begleichen!
Franz Lang, Dorfmitte Pfatter, 1974Am 1.1.1980 gelang der Gemeinde Pfatter auch die Loslösung von der Verwaltungsgemeinde Wörth, die sich altypische Einrichtung vom grünen Tisch aus erwiesen hatte: Territorien, die über tausend Jahre eine getrennte historische Entwicklung genommen haben, kann man eben nicht mit ein paar kräftigen Federstrichen miteinander verbinden!

Wir sprachen von einer Mustergemeinde Pfatter. Mustergemeinde sollten Sie auch in dem Sinn verstehen, daß Sie sich als Bürger mit Ihrer Gemeinde noch mehr identifizieren. Die Gemeinde, das sind ja nicht nur Bürgermeister und Gemeinderäte, Gemeinde sind Sie alle! Und die Staatsform der Demokratie beginnt nicht in Bonn oder in München, sondern hier in Pfatter!
Daß diese meine Ausführungen weder Beweihräucherung noch angeberische Besserwisserei, weit eher dagegen Impuls und Motivation sein wollen und sollen, brauche ich wohl nicht eigens zu betonen. Bleiben Sie die aufgeschlossene und rührige Gemeinde, als die Sie sich nicht zuletzt durch die Ausrichtung der 1200 Jahr Feier und der Herausgabe einer Chronik erwiesen haben, die sicher manches zum besseren Selbstverständnis der Donaugemeinde Pfatter beitragen werden.

Legen Sie jetzt die Hände nicht einfach wieder in den Schoß! Ihre Vorfahren haben es auch nicht getan! Sie ließen sich weder durch Kriege, Steuern, Epidemien noch durch Brände, Unwetter und Hochwasser unterkriegen.
Und seien Sie froh, daß Sie in einer Gegend leben, die wenigstens noch zu einem Teil zu den unverdorbenen Landstrichen Bayerns gezählt werden kann! Seien Sie froh, daß Sie in einem Dorf leben, in dem noch Gemeinschaftsgeist und gutnachbarliche Beziehungen zu Hause sind. Lassen Sie sich diese Freude nicht nehmen von solchen, die sich die kulturelle Verarmung und Verödung oder gar das Chaos auf ihre Fahnen geschrieben haben, von Leuten und Systemen, die den Menschen seiner geistigen und kulturellen Heimat berauben und ihn dadurch entwurzeln wollen, um ihn dann leichter und erfolgreicher manipulieren zu können!
Lassen Sie mich diesen Festvortrag beenden mit dem Wunsch und der Hoffnung, Pfatter möge auf mehreren Gebieten die Rolle wieder aufgreifen, die es Jahrhunderte hindurch gespielt hat und die ihm im vorigen Jahrhundert ohne sein Verschulden aus der Hand gerutscht ist: die Rolle eines zentralen Ortes im niederbayerisch oberpfälzischen Donautal, auf den seine Bürger so stolz sein sollten, wie der 17jährige "pfätterische Bayer" Franz Xaver Prentner im Lyzeum zu Neuburg.

Hinweis für historisch interessierte Leser:
Die erste urkundliche Erwähnung Pfatters findet sich in Freisinger Traditionen.
Diesem Eintrag zufolge hatte am 15. Juli 773 ein gewisser Heimuni seiner Frau Irminswind Besitz in Sünching und Pfatter (sunihinga auf ad petera) übereignet.
Aus terminlichen Gründen war es jedoch nicht möglich, das Ortsjubiläum 1973 zu begehen. Es mußte um ein Jahr verschoben werden. (Aus diesem Grund tragen auch die obligatorischen Erinnerungs Bierkrügl die Jahreszahlen 774 1974.)

Josef Fendl 1988